Euler Hermes hat seine alljährliche Insolvenzstudie vorgelegt, die wieder von einem Anstieg der Insolvenzen ausgeht. Was das im Detail bedeutet und wie Sie sich schützen können, beleuchten wir in diesem Artikel.

Was sind die Ergebnisse?

Das Ausmaß an Unternehmensinsolvenzen hat sich im Jahre 2019 weltweit um 9% erhöht. Das ist in erster Linie auf den starken Einfluss des chinesischen Marktes mit einer Zunahme von 20%, als auch auf die gestiegenen Zahlen in Westeuropa mit 2% und Nordamerika mit 3% zurückzuführen. Vor allem politische Themen als auch Handelsstreitigkeiten, haben zu einem verringerten Welthandel geführt. Diese Faktoren brachten einen schwächeren globalen Handel und einen Preiswettbewerb mit sich, bei dem viele Unternehmen in die Insolvenz geraten sind.

Dabei ist kritisch zu betrachten, dass eine riskant hohe Anzahl an Insolvenzen von Großunternehmen mit einem Umsatz über 50 Mio. Euro ausgehen sowie Großinsolvenzen mit einem Gesamtbetrag von über 145 Mrd. Euro stattgefunden haben. Ein erhöhter Wettbewerb, steigende Kostenstrukturen und Herausforderungen der Digitalisierung setzen auch Großunternehmen Risiken aus. Die nachfolgende Grafik stellt dar wie sich die Großinsolvenzen in den ersten 3 Quartalen 2019 in Bezug auf Branche und Handelsregionen weltweit erstrecken.

Anzahl Großinsolvenzen Q1--3 2019

Anzahl von Großinsolvenzen nach Sektoren und Regionen im Jahr 2019 Quartal 1-3

Die Anzahl von Unternehmensinsolvenzen wird im Jahre 2020 um 6% steigen. Das ist somit das vierte Jahr in Folge, dass sich dieser Wert erhöht. Besonders der asiatische Raum ist der Haupttreiber für den Anstieg von Insolvenzen im Jahre 2020. Vor allem China mit einer Steigerung von 10% und Indien mit einer Steigerung von 11% sind hier die Haupttreiber.

Wie sieht das konkret in Europa aus?

In Europa fallen dies Insolvenzzahlen im Allgemeinen nicht so dramatisch aus, dennoch erlebt auch Europa wieder einen Anstieg von Insolvenzen um 2%, welcher auch breiter auf die Unternehmen verteilt ist. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht deutlich in welchen Ländern und in welcher Branche Veränderungen in den Geschäftsinsolvenzen geschehen. Die Grafik wurde aus dem Insolvenzreport 2020 entnommen.

Insolvenzen nach Ländern und Branchen 2020 

Veränderungen bei den Unternehmensinsolvenzen 2018 vs. 2019 nach Ländern & Branchen

Diese Grafik zeigt auf, dass in der Praxis Insolvenzen schneller geschehen als es zu vermuten ist.  Und Unternehmen selbst durch Forderungsausfälle von insolventen Kunden von heute auf morgen Verluste erleiden können. Doch was können Unternehmen in Österreich machen um sich abzusichern?

Wie hoch ist das Risiko des Forderungsausfalles einzustufen?

In der Bilanz einer durchschnittlichen GmbH in Österreich überwiegen Forderungen das Sachanlagevermögen auf der Aktivseite. Seit je her ist es üblich Sachanlagevermögen ausreichend zu versichern - man denke nur an eine Feuerversicherung. Anders ist dies auf dem Feld der Forderungen. Obwohl diese in der Wertigkeit das Sachanlagevermögen übersteigen werden diese im Vergleich viel seltener versichert. Obwohl hier teilweise höhere Risiken herrschen, die zu einer Insolvenz des Unternehmens führen können.

Welche Konsquenzen hat ein Forderungsausfall?

Die Konsequenz eines Forderungsausfalles lässt sich am besten anhand des notwendigen Mehrumsatzes ausdrücken, den ein Unternehmen generieren muss, um den Forderungsausfall zu kompensieren. In Abhängigkeit von der Umsatzrendite können sich hier dramatische Werte ergeben:

Mehrumsatz nach Forderungsverlust

Zwischen welchen Risikoarten kann unterschieden werden?

Nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Risiken können zu Forderungsverlusten führen. Wirtschaftliche Risiken stehen in Verbindung mit der Zahlungsunfähigkeit oder dem anhaltenden Zahlungsverzug des Schuldners. Darüber hinaus erhöhen beim Zahlungsverzug Rechtsverfolgungs- und Betreibungskosten den finanziellen Schaden des Lieferanten. Politische Risiken sind unter anderem kriegerische Ereignisse, Lizenzkündigungen, aber auch Devisentransferbeschränkungen und Eingriffe in die Eigentumsrechte. Meist werden diese durch staatliche Maßnahmen oder durch unvorhergesehene politische Ereignisse verursacht.

Wirtschaftliche und politische Risiken können vor der Lieferung, z.B. während der Produktion, aber auch nach dem Versand von Waren bzw. der Erbringung einer Dienstleistung eintreten. Kreditversicherung bietet sowohl Absicherung für wirtschaftliche, als auch politische Risiken - vor und nach Lieferung.

Welche Auswirkungen hat der Lieferantenkredit?

Offene Forderungen entstehen durch Lieferantenkredite. Ein Lieferantenkredit entsteht, wenn Unternehmen Waren liefern und zur Zahlung ein Zahlungsziel vereinbaren. Aus diesem Geschäftsbrauch heraus entstehen hohe Risiken für den Lieferanten, denn nicht jeder Kunde kommt auch immer seinen Verpflichtungen pünktlich nach. Mit der Länge des Lieferantenkredites steigt auch das Risiko des Forderungsverlustes. Zusätzlich steigt der Bedarf an liquiden Mitteln und an einer Refinanzierung, die wiederum zu Kosten führt.

Was bewirken die Instrumente des Risikomanagements?

Mit dem zunehmenden Aufbau von Forderungen erhöht sich auch der Umfang der notwendigen Maßnahmen, die zu einer Reduktion von Ausfallsrisiken führen sollen. Auch können entlang des Entstehungsprozesses einer Forderung unterschiedliche Maßnahmen gesetzt werden:

  • In der Akquisition von Kunden kann bereits Risikominimierung durch eine Bonitätsprüfung von Zielkunden erfolgen.
  • Im zweiten Schritt können Forderungen durch die Unterstützung einer Kreditversicherung einem konsequenten Monitoring unterzogen werden, das durch die Unterlegung der Unternehmensbeurteilung mit einer konkreten Haftung die wohl werthaltigste Form der Beobachtung von Forderungsportefeuilles darstellt. 
  • Die größte Stärke besitzt die Kreditversicherung jedoch im tatsächlichen Risikotransfer eines Forderungsausfalles auf den Versicherer. Dadurch können Unternehmen auch das Risiko eines Forderungsverlustes leichter bewältigen - insbesondere wenn sich das Forderungsportfolio durch eine hohe Risikokonzentration bei einem oder einer kleinen Zahl an Abnehmer auszeichnet.

Fazit:

Die Anzahl der Insolvenzen nimmt laut der Insolvenzstudie von Euler Hermes auch 2020 weiter zu. Weltweit beträgt diese Steigerung insgesamt 6%. Auch Europa bleibt mit einer Steigerung von 2% nicht von diesem Trend verschont. Die Risiken des Forderungsausfalles sind daher für Unternehmen größer denn je. Mehr denn je besteht Bedarf Vorsorge zu treffen und sich vor wirtschaftlichen Verlusten zu schützen. Durch den Einsatz von Kreditversicherung haben Unternehmen die Chance Verluste aus Nichtzahlungen und Zahlungsverzögerungen abzudecken und somit Sicherheit über ihre Liquidität zu erhalten.

Daniel Radbauer

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